Halle (Saale), Sachsen-Anhalt,

Papierfabrik Ammendorf

Die Papierfabrik Ammendorf ist ein historisches Industriegebäude mit hervorragender Anbindung. Das große Gelände und die vielen Räume ermöglichen die Umsetzung vieler denkbarer Ideen - ganz nach den Wünschen der zukünftigen NutzerInnen. Hier trifft Industrie und Kultur aufeinander.  

Das Objekt

Das Gelände der ehemaligen Papierfabrik besteht aus Fabrikhallen, einem Verwaltungsgebäude samt Kantine und Wohnhaus sowie großzügigen Freiflächen.  Das Denkmal im Hallenser Stadtteil Ammendorf soll Stück für Stück saniert werden. Die Denkmalpflege Halle gGmbH widmet sich mit großem Engagement dem Komplex rund um das Verwaltungsgebäude auf der Radeweller Straße. Perspektivisch ist auch eine Nutzung und Belebung der großen Fabrikgebäude angestrebt, die sich derzeit noch in Privatbesitz befinden. Die Räume des Verwaltungsgebäudes fallen sehr vielfältig aus und umfassen eine Größe von 24 - 120 qm. Damit steht für viele mögliche Zwecke genügend Raum zur Verfügung. Einige Bereiche sollen als Gemeinschaftsflächen genutzt werden, beispielsweise für CoWorking oder Veranstaltungen. In anderen Bereichen entstehen moderne Büroräume mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und schnellem Internet. Durch die Atelierwohnungen, neu hergerichteten Dienstwohnungen des Kombinats, kann Arbeit und Wohnen verbunden werden. Die entstehenden Veranstaltungsräume im Erdgeschoss sollen für die Umgebung und das Quartier Ammendorf geöffnet werden, um das Objekt in guter Nachbarschaft entwickeln und wachsen zu lassen. Die ehemaligen MitarbeiterInnen der Fabriken sind an Wohl des Ortes sehr interessiert und werden gern in die Entwicklung einbezogen.

Die Lage 

Ammendorf hatte bereits frühgeschichtlich eine Bedeutung: Durch Fischreichtum in der Weißen Elster entstanden erste Siedlungen, die bis heute rund um die Saale-Elster-Aue bekannt sind. Trotz Hochwassergefahr hatte der Standort seit jeher wesentliche logistische Vorteile und bis heute eine lange Industriegeschichte - es gab vor allem  Bergbau und Waggonbau, aber auch Chemie-, Asphalt-, Maschinen-, Seifen-, Seil- und Likörfabriken sowie Buchdruckereien und Molkereien. Seine größte und bekannteste Industrieanlage besaß der Ort mit der sogenannten Ammendorfer Papierfabrik. Seit 1937 bekam der Ort das Stadtrecht, wurde aber 1950 durch die Stadt Halle eingemeindet. Durch die Nähe zu  Halle ist das Umfeld großstädtisch geprägt, es existiert eine direkte, schnurgerade Verbindung zwischen der Ammendorfer Kirche und dem heutigen Riebeckplatz in Halle. Die ehemalige Merseburger Chaussee ist heute als B91 bekannt.

Der Ort 

1897 als Papierfabrik erbaut, hatte die Fabrik eine strategisch günstige Lage zu Kohle und Wasser sowie einen direkten Gleisanschluss. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Fabrik eine bebaute Fläche von ca. 12000 qm und über 320 Mitarbeiter(Innen). Für diese wurden schnell zahlreiche Häuser mit Wohnungen und einer eigenen Feuerwehr auf dem Areal errichtet. Die Fabrik vergrößerte sich schnell und wurde bald mit zusätzlichen Maschinen bestückt. Das Unternehmen wuchs kontinuierlich bis in die 1940er Jahre. Durch die im Zuge der sowjetischen Nachkriegsbesatzung erfolgte Demontage der modernen Papierfabrik geriet die Industrie der Stadt Ammendorf stark in Mitleidenschaft. Auf dem Gelände entwickelte sich zu DDR-Zeiten ein Unternehmen zur Sekundärrohstofferfassung und –verwertung, das VEB Kombinat Metallaufbereitung Halle. Nach der Wende stand das Objekt leer. Seit 2019 wird das Verwaltungsgebäude durch die Denkmalpflege Halle gGmbH wiederbelebt, eine Revitalisierung des weiteren Industriekomplexes ist angedacht.

Die Menschen  

Das Objekt mit seinen zahlreichen potenziellen Möglichkeiten soll vielfältige NutzerInnen ansprechen. Sowohl AkteurInnen aus der Kreativwirtschaft, Kunstproduktion oder ExistenzgründerInnen sind gern gesehen. Dabei ist das Gelände groß genug, um sowohl Arbeitsräume als auch Wohn- und Gesellschaftsräume entstehen zu lassen.  Eine Wiederbelebung der inmitten der Fabrik versteckten Kegelbahn gehört zu den kühnen Ideen der AkteurInnen. Hier könnte ein Gemeinschaftsort für die NutzerInnen wie  auch für die EinwohnerInnen vor Ort entstehen. Arbeiten soll nicht nur als Arbeiten begriffen werden, sondern Gemeinschaft fördern - unter den NutzerInnen und mit den AnwohnerInnen.

Leben und Arbeiten vor Ort

Das Arbeiten vor Ort ist in seiner Vielfalt kaum begrenzt, ob als Kreativ- und Kulturschaffende(r) oder im Bereich des StartUp. Zum Beispiel könnte hier eine Druckwerkstatt mit historischen Maschinen entstehen. Passend wäre auch ein Bistro in der ehemaligen Betriebskantine oder ein kleines Theater. Auch klassische Ateliers und Werkstätten sind möglich, kreative Ideen können hier frei verwirklicht werden - Interessierte haben die Möglichkeit, den Raum selbst mitzugestalten! Die Bedingungen für ein langfristiges Projekt sind ebenfalls  sehr gut. Es besteht eine gute Anbindung zu Schulen, Kindergärten und Supermärkten, eine langfristige Ansiedlung vor Ort und die Nutzung des Objekts als Arbeits- und Lebensort ist damit ohne Probleme möglich.

Zukunft vor Ort

Das Objekt am Stadtrand von Halle/ Saale hat ein großes Potenzial für die Zukunft und bedient Bedarfe, welche zukünftig sicher noch stärker nachgefragt werden. Ob in Einzelbüros, als Co-Working-Gemeinschaft,  als Kreativzentrum, in Ateliers oder in Werkstätten sind viele Arbeits- und Lebensformen vor Ort möglich. Gemeinsam mit den AnwohnerInnen setzen die AkteurInnen mit dem Objekt einen positiven Impuls für die Stadtteilentwicklung. Was die Zukunft sonst bringt, ist nur von den Visionen der neuen NutzerInnen abhängig. Die Startvoraussetzungen sind erfüllt, es benötigt nur noch die Ideen und Engagement. Dann kann es losgehen! 

Besonderheit

Beachtenswert ist neben der großen Nutzfläche vor allem die gute Infrastruktur. Das gesamte Gebiet ist gut erschlossen und selbst mit den ÖPNV gut zu erreichen. Zahlreiche relevante Dienstleistungen und Geschäfte befinden sich in Ammendorf vor Ort. 

Herausforderungen

Eine Herausforderung dürfte die Aktivierung der alten Fabrikkomplexe werden, vor allem die Sicherung der Bausubstanz der Gebäude, die Entsorgung alter Maschinen und die Trockenlegung der nassen Keller erfordert den Beteiligten viel Kraft ab. Zudem ist noch viel Planung und Verhandlung nötig: die (noch) unterschiedlichen EigentümerInnen müssen sich einigen, wie perspektivisch die weitere Nutzung des Komplexes gestaltet werden soll.  
Bild von Papierfabrik Ammendorf

Fakten

Status: in Sanierung / Ausbau / Umbau
Zeitplan: Frühjahr 2021
Planungsbeginn: 2019
Einzug erste Bewohner: 2021
Grundstücksgröße: Gesamtfläche: 2.500 qm, Räume 24 qm bis 300 qm weitere 15.000 qm stehen potenziell zur Verfügung
Gebäudetypen: Industriegebäude
Inhaberin: Denkmalpflege Halle gGmbH
Infrastruktur: Bus: etwa 300 m; RB, 8 min, TRAM 1 km - 20 min zum Hbf Halle (Saale)